Heilpädagogische Förderung – „Wird hier denn nur gespielt?“

„Spielen“ ist die ursprünglichste Form des Lernens. Im Spiel, in der Bewegung, dem Anfassen, dem  „Begreifen“ und Berühren machen Kinder ihre ersten  Erfahrungen mit ihrer Umwelt. Im sozialen Kontakt und Austausch erweitern Kinder ihre Fertigkeiten, ihr Wissen und ihre sozialen Fähigkeiten. Ziel ist es, Werte, Normen und ein altersgerechtes Verständnis für Regeln zu vermitteln.

Bei der heilpädagogischen Förderung an der Frühförderstelle stellen wir das Spiel des Kindes in den Mittelpunkt. Nach dem Prinzip der Ganzheitlichkeit wird dabei das Kind in seiner gesamten Persönlichkeit wahrgenommen. Seine Kompetenzen, Ressourcen und Potentiale werden genauso berücksichtigt wie seine Stärken und Schwächen.

Ausgangspunkt ist dabei der individuelle Entwicklungsstand des Kindes. Feinfühlig nehmen wir wahr, wo das Kind in seiner Entwicklung steht. Wir bauen eine tragfähige Beziehung zum Kind und seinem Umfeld auf. Mental gut vorbereitet und in Bezug auf das angebotene Spielmaterial versuchen wir differenziert und flexibel auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Es ist wichtig, die Entwicklungsziele präsent zu haben und selbst zu wissen, wie diese möglichst spielerisch erreicht werden können. Gepaart mit Einfühlungsvermögen eröffnen uns diese Grundsätze Spielraum für individuelles und der Entwicklung angepasstes Vorgehen und Reagieren in der Förderstunde.

Unsere Förderangebote werden kindgerecht gestaltet. Mit ausgewählten Spielmaterialien und heilpädagogischen Methoden (zum Beispiel Psychomotorik/Montessori-Pädagogik) bieten unsere Fachkräfte der Heilpädagogik den Kindern dann Anreize für alle Sinne. Lernen findet durch Probieren statt.

Die Spielmaterialien werden unter anderem für folgende Bereiche ausgewählt: Förderung der Fein- und Grobmotorik, Schulung der Konzentration und Ausdauer, allgemeiner Sprachaufbau und weitere Angebote im sprachlichen Bereich, Schulung des logischen und rechnerischen Denkens, Förderung im Bereich des Sozial- und Emotionalverhaltens.

So werden mit den Kindern zum Beispiel Puzzles gelegt, Bilder geprickelt, mit Fingerfarbe oder auch mit Pinsel und Malkastenfarbe gemalt. Bohnen umschütten, Formen ertasten, Eulen oder Stäbe zählen sind weitere Beispiele. Blätter zum Nachspuren, Rätseln und Ausschneiden gehören ebenso zum „Förderprogramm“. Nicht zuletzt werden in der hauseigenen Turnhalle Bewegungsbaustellen aufgebaut, Kreisspiele, Reime und Lieder mit Bewegung gesungen und getanzt. Und noch vieles mehr…

Unsere heilpädagogischen Fachkräfte bringen dabei ihre ganze Persönlichkeit und Fachlichkeit in den Förderprozess mit ein und bauen eine tragfähige Beziehung zum Kind auf. Wir geben ihm Halt und Geborgenheit, so dass es Selbstvertrauen und eigene Handlungsstrategien entwickeln kann.

Familienorientierung und Lebensweltorientierung sind unsere weiteren Arbeitsprinzipien. Nur in Zusammenarbeit mit dem vertrauten Umfeld (Elternhaus, Kindergarten u. a.) gelingen Förderung und Entwicklungsbegleitung am besten.

Neben dem Fokus auf das Kind wird gerade auch durch die Beratung der Eltern und die Vermittlung weiterer Hilfsangebote das System um das Kind gestärkt. Bereits vorhandene Ressourcen werden erkannt, einbezogen und gestärkt, so dass ein erweitertes Netzwerk und tragfähige Hilfen entstehen. Auch im Hinblick auf sozialrechtliche Fragen oder in finanziellen Problemlagen vermitteln wir ihnen weitere Hilfen.

So sind Heilpädagogisches Arbeiten und Sozialpädagogisches Arbeiten in der Frühförderung untrennbar miteinander verbunden.